Nachtgesang des Thürmers

I. Hab ich die Welt verlassen? So, steh´  ich auf dem Thurm,
dort kann Ich Sterne fassen und reden zu dem Sturm.
Dort bannt man die Gespenster und lebet fern dem Spott.
Der Wind pocht an ein Fenster und spricht vom lieben G´tt.

II. Flux thut der Tag sich neigen, die Erde atmet aus.
Die Stadt hüllt sich in Schweigen, die Bürger geh´n ins Haus.
Man höret leises Klagen im tiefen Häusergrund.
Gebet und Ausflucht sagen aus einem dunklen Mund.

III. Da hebt sich mein Gemüthe hinein in klare Nacht,
wohl preiset Himmels Güte, nur Mond und Stern halt´  Wacht.
Wenn in das heimlich Grauen fällt Trost von Sternenlicht,
dann kratzet mit Vertrauen das müde Angesicht.

IV. Ein klares Licht will leuchten, das birgt mir Seelen Stern,
´des soll ´s dem Himmel künden: „Wir warten auf den Herrn.“
So, schlaft ihr müden Leute, für G´tt haltet die Ruh´,
dann deckt Euch vor dem Schrecken der „Schild des Himmels“ zu.

copyright + Text: O´Carroll